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| Angelikas Tagebuch |
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Nicht unbedingt zur Recherche geeignet aber durch ihre Aufzeichnungen hält Angelika die Erinnerung an diesen schönen Urlaub präsent. Lesen sie selbst. Reisetagebuch Island 01.07.2000 bis 30.07.2000 3.00 Uhr. Der Wecker klingelt. Start der Großaktion: 4 Personen duschen und anziehen. 4.15 Uhr. Frühstück mit warmen Brötchen oder wie die Betonbrocken heißen - versucht ihr mal mitten in der Nacht frische, knusprige Brötchen zu backen! Abfahrtzeit 5:32 Uhr, Der Tacho zeigt einen Kilometerstand von 15785. 5:56 Uhr, wir wechseln auf die Autobahn 2 Richtung Hannover. Die Urlaubsvorfreude bremst z.Zt. noch die Müdigkeit. Der Sonnenaufgang ist wunderschön. So richtig passend zu einem beginnenden Urlaub. Es ist jetzt 6:55 Uhr. Es ist still geworden im Auto, ich drehe mich nach den Kindern um und sehe sie aneinandergelehnt schlafen. Erst später verriet mir Olli, dass die beiden erst gegen 3 Uhr eingeschlafen sind. Um 7:00 Uhr werden wir NRW durch die Porta Westfalica verlassen. Für unsere Verhältnisse ist die A2 ist bis jetzt zügig befahrbar. Unsere Geschwindigkeit beträgt gemütliche 90 km/h. Wir haben gerade Niedersachsen verlassen und befinden uns jetzt auf dem Gebiet der Hansestadt Hamburg auf dem Wege zum Elbtunnel. Vor dem Tunnel stockt der Verkehr, aber es geht bis zur Einfahrt in den Tunnel langsam weiter. Im Tunnel dann wieder normale Reisegeschwindigkeit. Von nun an beginnt eine Autobahnfahrt ohne große Highlights in Richtung Flensburg zur Grenze. Olli ist wieder aufgewacht und unterhält uns mit Witzen. Erst relativ spät um 11:24 Uhr haben wir den Nord-Ostsee-Kanal überquert. Bis Flensburg sind es jetzt noch 54 "kleine" Meter. Es ist jetzt 1 Minute vor 12:00 Uhr und es sind nur noch 8 km bis zur Grenze nach Dänemark. Deutschland ade, aber ein gutes Stück näher an Island herangepirscht. Norbert hält sich wacker am Steuer. Wir sind jetzt an der Grenze und haben genau 492 km hinter uns. Der Himmel ist seit Hamburg bedeckt, aber es regnet nicht. 13:00 Uhr. Es hat angefangen ein bisschen zu regnen. Das kann man schon als Abwechselung sehen, denn hier auf der E 45 in Dänemark ist es einfach nur öde. Plattes Land und platte Autobahn. Hier heißt es nur: Kilometerfressen. Es ist jetzt 13:26 Uhr und wir stehen in einem Stau. Warum ist nicht zu sehen. Frederikshavn ist jetzt nur noch 56 km entfernt. Um 18:01 Uhr haben wir zum ersten mal heute die Ostsee vor Augen (mal abgesehen vom Vejle-Fjord, den wir auf einer Autobahnbrücke überquert haben). Nun heißt es den von uns angepeilten Campingplatz suchen und finden. Um 18:20 Uhr haben wir unser 1. Ziel, den Campingplatz Nordstrand-Camping, nördlich des Hafens von Frederikshavn erreicht. Km-Stand 16.637. Es ist vollbracht. Zeit: 19:07 Uhr. Die Zelte stehen und wir sitzen !!! am Campingtisch. Uns stecken die 852 km extrem in den Knochen. Mein Rücken schreit nach Bewegung und wir werden auch gleich noch an den Strand gehen. Alles in allem war die Fahrt, bis auf den Stau auf der E 45, reibungslos. Wenn ich mir das Zelt betrachte kommt es mir vor wie ein Grand Hotel und ich werde heute Nacht bestimmt schlafen wie ein Stein. Norbert und die Kinder denken ähnlich! Ich bin gestern Abend sehr gut eingeschlafen und habe die Nacht auch gut verbracht. Um 7 Uhr bin ich duschen gegangen und fühle mich jetzt wieder wie in Mensch. Der Frühstückstisch ist gedeckt und es gibt zur Feier des Tages, es ist ja schließlich mein erstes Frühstück in Dänemark, frische Brötchen. Das Wetter ist super: blauer Himmel. Wir haben noch Zeit, daher haben wir nach dem Frühstück noch eine Runde "Phase 10" gespielt, die ich natürlich gewonnen habe. Es ist jetzt 13:30 Uhr. Die Zelte sind abgebaut, das Gepäck ist wieder auf und im Auto bzw. dem Anhänger verladen und es geht nun auf eine 6-stündige Schifffahrt mit der "Peter Wessel", von Frederikshavn nach Larvik in Norwegen. Es war imposant zu sehen, wie die "Peter Wessel" im Hafen festmachte und seine Fracht, d.h. Autos, LKW usw., entlud. Kurz darauf fuhren auch wir in den Schiffsbauch. Nun stehen wir an Deck und warten auf die Abfahrt, die jeden Moment erfolgen müsste. Um 14:32 Uhr ist es endlich soweit, das Schiff setzt sich in Bewegung. Es ist für mich nicht die erste Fahrt auf einem Schiff, aber doch aufregend, weil es die erste Fahrt in nordische Gewässer ist, die uns unserem Ziel Island wieder ein Stück näher bringt. Wir haben das Schiff nun in Beschlag genommen. Es ist mit den Hungerkähnen von "Venturis" in Griechenland nicht zu vergleichen. Allein die Treppen zu den einzelnen Decks lassen erahnen, wie es auf einem Kreuzfahrer sein muss. Da wir Zeit genug haben, dass Schiff kommt erst spät in Larvik an, gönnen wir uns noch einmal ein ausgiebiges Abendessen im Restaurant der "Peter Wessel". Es ist nicht mehr so weit bis Larvik, mit dem Fernglas ist am Horizont schon eine graue Erhebung zu sehen. Olli kommentierte diese Phänomen um 19:50 Uhr mit den Worten: Land in Sicht! Die Schifffahrt ist, im Gegensatz zu den schlauchenden 852 km von gestern, die reinste Erholung und das noch bei superblauem Himmel. Erst spät war unser Lager auf einer ehemaligen Pferderennbahn in Larvik errichtet, wir haben noch geduscht und den Tag gemütlich ausklingen lassen. Es ist relativ hell um 23:15 Uhr, fast böte sich noch eine Spielerunde an, der Tag endete damit, dass wir alle noch über der Landkarte saßen und den Weg nach Bergen studierten. Ich freue mich auf die Fahrt durch Südnorwegen, bietet sie mir sicherlich mehr Abwechslung als die öde Autobahn in Dänemark. Früh bin ich schon wach geworden und der Frühstücktisch ist um 6:50 Uhr gedeckt. Das Beste vom Tag steht vor mir: frisch aufgebrühter Kaffee. Langsam kommt Bewegung in die Zelte, nach und nach kommen meine Lieben aus den Schlafsäcken gekrabbelt, wohl angezogen vom frischen Kaffeeduft. Nach dem Frühstück haben wir unser Lager hier abgebaut, völlig unkompliziert, jeder Handgriff saß ohne Anweisungen geben zu müssen. Ein solches Team sollte auch in Island funktionieren. Erst um 9:10 Uhr geht es los Richtung Bergen. Ich bin so gespannt auf das Land Norwegen und freue mich schon auf die Fahrt. Was ich bisher gesehen habe überzeugt mich. Die Landschaft ist einfach grandios. Total bewaldet und die Häuser, selbst die Industrie, passt sich in die Landschaft an. Ich bin überwältigt, wir fahren durch Agrarland, Waldgebiete und Hochplateaus auf denen der Bewuchs sehr gering ausfällt, sogar Schneereste sind noch zu finden. Beeindruckend im Sommer!. Einzig die Lupinen wachsen hier ganz offensichtlich in Massen, sie stehen hier fast in kleinen Feldern. Um 16:35 Uhr erreichen wir die 17000 Kilometer-Marke. Im Ort Øystese habe ich erst mal den zu Hause vergessenen Dosenöffner ersetzt. Der ist nämlich bei einer Ernährung hauptsächlich aus Dosen existenziell. Bald war auch unsere heutige Reise beendet. Norbert steuerte auch in diesem Jahr den Campingplatz an, den er von seiner Reise nach Island im Jahr 1995 her kannte. Schluss aus, die Zelte stehen, der Benzinkocher faucht und das Wasser für die Nudeln zum Gulasch kocht auch bald. Mit Blick über den Hardangerfjord haben wir bei durchwachsenem Wetter, aber ohne Regen, den Tag ausklingen lassen. Morgen sind es dann noch etwa 80 Kilometer bis Bergen, über die Straße 7 etwa ein Weg von 1,5 Stunden. Wenn wir früh genug starten können wir uns noch vor dem Einchecken auf die Norröna die Stadt Bergen ansehen. Vielleicht ein letztes Highlight vor der zweitägigen Seereise? Irgendwie hält mich auch an diesem Morgen nichts im Zelt, früh stehe ich auf und bereite das Frühstück. Bald folgen die anderen und schon früh sind wir mit dem Frühstück fertig und beginnen, ich bin ein wenig nervös, mit dem Abbau der Zelte. Immer noch, so wie gestern Abend, ist es bewölkt, der Blick auf die Berge der anderen Fjordseite fällt eher bescheiden aus. Regen hatten wir aber bislang nur die paar Tropfen auf der Fahrt durch Dänemark. Um zehn Minuten nach 9 Uhr starten wir zur letzten Etappe nach Bergen. Da wir gestern Abend noch ein paar Schlüpfer und Socken gewaschen haben, die aber wegen des Wetters und der fortgeschrittenen Tageszeit nicht mehr trockneten, herrscht nun im Auto ein wenig das "Island-Feeling". An einer Leine quer durch das Auto gespannt hüpfen nun besagte Teile auf und ab und teilen den Wagen in zwei Hälften. Ist schon lustig durch frisch gewaschene Kleidungsstücke hindurch mit den anderen zu sprechen. Die Heizung des Lada ist sehr gut, bis nach Bergen ist die kleine Wäsche getrocknet und wir können in Bergen die Wäscheleine im Auto wieder einrollen. Der Fährhafen in Bergen, an dem die Norröna festmachen soll, ist ziemlich leicht zu finden, die Beschilderung ist einwandfrei und so stehen wir schon recht früh auf der uns zugewiesenen Linie im Hafenbereich. Von der Norröna ist aber noch nichts zu sehen und bevor wir uns auf den Weg zur Innenstadt Bergens aufmachen, zu Fuß versteht sich, wir haben ja das Auto schon im Hafenbereich abgestellt, sehen wir uns noch die Einfahrt verschiedener Touristen an, die mit uns nach Island oder den Färöer-Inseln übersetzen wollen. Die Reihen im Verladebereich werden immer voller, dennoch zieht es uns in die Stadt und zur Hansesiedlung "Tyske Brüggen". Diese Hansesiedlung ist eine über 300 jährige Handelssiedlung vornehmlich deutscher Kaufleute. Es ist total urig hier, kleine Gassen zwischen den Holzhäusern die wohl zu ihrer Zeit als Speicherplatz dienten. Heute zieht diese Siedlung Unmengen von Touristen an, wir sind ja auch hier, und so bleibt es nicht aus, dass in den Holzhäusern heute fast ausschließlich Souvenirs angeboten werden. Der Charme der alten Handelssiedlung bleibt aber irgendwie erhalten. Nach einem Spaziergang über den berühmten Bergener Fischmarkt, findet hier wohl täglich statt, und einem Anruf bei meiner Mutter, die sich riesig über eine Nachricht von uns freute, mussten wir feststellen, dass auch die Norröna mittlerweile angekommen war und festgemacht hatte. So gingen wir wieder zurück zum Hafen und warteten geduldig auf das Check-In. Nur der Fahrer eines Fahrzeuges durfte in den Schiffsbauch einfahren. Für Anna-Alicia, Olli und mich hieß es damit Zugang über die Gangway vom Terminal aus um 13 Uhr 30. Auf dem Schiff warteten wir, wie verabredet, an der Information auf Norbert, der bald auch einfahren durfte und zusammen mit uns die Kabine belegen konnte. Wir haben uns für die günstigste Variante der Überfahrt entschieden - Couchettes -, so mussten wir uns eine 9-Bett-Kabine mit noch zwei anderen Mädchen teilen. Um 15 Uhr dann endlich war es soweit. Die Leinen der Norröna wurden eingezogen und das Schiff setzte sich mit Ziel Island über die Shetlandinseln und die Färöer-Inseln in Bewegung. Lange noch standen wir an Deck und sahen die norwegische Küste am Horizont verschwinden. Die Zeit bis zum Abendbuffet um 20 Uhr im Bordrestaurant der Norröna haben wir dann mehr oder weniger mit Karten spielen, lesen, dösen und herumgammeln verbracht. Das Buffet aber war eine Wucht, kaum zu beschreiben und wenn Olli schon sagt: "Kneif mich mal, ich glaube, ich bin im Schlaraffenland!" dann brauche ich über die Üppigkeit der Speisen keine Worte mehr zu verlieren. Leider schaukelte die Norröna ein wenig, für mich und Olli kein Problem, Anna-Alicia und Norbert schlug die Schaukelei aber etwas auf den Magen und so fiel deren Abendessen ein wenig gedämpfter aus als bei Olli und mir. Über zwei Stunden haben wir es uns im Restaurant gut gehen lassen, der Kalorienzähler wurde schlichtweg ignoriert und so kamen wenigstens Oliver und ich voll auf die Kosten des 170.- DKK (auf der Norröna wird in dänischer Währung bezahlt) teuren Buffets. Viel zu voll gegessen sind wir anschließend in unsere Kojen gerollt und haben den Tag beschlossen. Eingeschlafen bin ich super. Sattgegessen vom Buffet und dann noch in den Schlaf gewiegt werden: Herz was willst du mehr. Kurz vor 2.00 Uhr bin ich dann wachgeworden, die Schaukelei des Schiffes hatte aufgehört. Irgendwie komisch, ich habe die Schaukel zum Einschlafen gebraucht, nun wo sie aufhörte hatte bin ich davon wachgeworden. Das Schiff war gerade in Lerwick auf den Shetlands angekommen. Norbert und ich haben uns das Manöver des Anlegens und Festmachens angesehen obwohl nicht viel, außer dem hell beleuchtetem Hafenbereich, zu sehen war. Nur ein paar wenige Autos wurden verladen oder verließen die Norröna hier schon wieder. Nach einer halben Stunde Aufenthalt ging die Fahrt dann auch weiter und so wie das Schiff das offene Meer erreichte und der Wellengang wieder spürbar war, konnte ich meinen Schlaf fortsetzen. Trotz der fehlenden Stunde Schlaf bin ich dann doch um 6 Uhr wachgeworden und konnte auch nicht mehr einschlafen. So entschied ich mich für eine erfrischende Dusche. Ist schon lustig als Landratte auf wackeligen Beinen bei Windstärken um 5 in einer engen Duschkabine zu stehen. Für mich dürfte es ruhig etwas mehr sein, Norbert und Anna-Alicia hatten aber schon genug. Trotzdem haben beide später mit Erfolg gefrühstückt. Olli hat auch problemlos frühstücken können und hat seinen Rundgang über das Schiff fröstelnd beendet. Es ist kalt auf dem Atlantik, der Wind und die Gischt laden auch nicht wirklich zum gemütlichen Spaziergang über die Außendecks ein. Um 15 Uhr erreichten wir Tórshavn. Mit den von mir besorgten Transit-Cards durften wir während des 3-stündigen Aufenthaltes der Norröna in deren Heimathafen von Bord. Tórshavn ist ein total schönes Städtchen, kleine bunte Häuser und der Hafen, der eigentlich viel zu klein für die Norröna erscheint. Weiter oben im Ort, schon fast an der Ortsgrenze - bauen auf der grünen Wiese - befindet sich auch ein Einkaufszentrum, das den Vergleich mit mittelstädtischen Einkaufspassagen in Deutschland nicht zu scheuen braucht. Viele kleine Geschäfte, Cafeterien, Friseur, Bau- und Elektromarkt und Lebensmittelgroßhandel, alles was der Färinger so braucht, hier gibt es alles für den täglichen Bedarf. Wir gönnten uns hier einen Hotdog und ein riesiges Softeis bevor wir durch die kleinen Gassen zurück zum Hafen spazierten. Noch bevor wir wieder an Bord gingen besuchten wir noch das direkt neben dem Hafen gelegene Fort. Vom Verteidigungswall aus genossen wir den Blick über Tórshavn ein letztes mal. Wieder an Bord war es auch bald Zeit für ein Abendessen. Diesesmal wählten wir die Cafeteria für eine warme Mahlzeit. Erheblich günstiger aber auch lange nicht so gut. Fast wie in einer Kantine. Während des Essens beachteten wir die Lautsprecherdurchsage, die darauf hinwies, dass eine Führung zur Brücke des Schiffes für alle interessierten Gäste durchgeführt werden sollte. Anna-Alicia und Norbert kannten den Maschinenraum der Norröna schon von ihrer Reise im Jahr 1995, da sollte die Brücke in diesem Jahr Pflicht sein. Wir wurden vom "Cruise-Manager" der Norröna an der Information abgeholt und zur Brücke geleitet. Absolut interessant, auch für Nicht-Technik-Freaks, die Sicherheitssysteme der Norröna wurden in den Einzelheiten erklärt, das Radarsystem, die Brandmeldungsanlage und das Navigationssystem waren auch für mich beeindruckend. Mit dem Wissen über die umfangreiche Sicherheitstechnik der Norröna fiel es mir nach gelungenem Tag an Bord und in Tórshavn nicht schwer in den Schlaf zu fallen. 06.07.2000 Ankunftstag in Island Schon früh sind wir aufgestanden, schließlich erreichte die Norröna heute Morgen Island. Vom Bordrestaurant im Bug der Norröna sollte die Sicht auf die im Nordatlantik auftauchende Insel am Besten sein, wir hatten während unseres frühen Frühstücks aber nicht die Sicht. Dichter Nebel verhinderte eine freie Sicht, erst bei der Einfahrt in den Seyðisfjörður lichtete sich der Nebel ein wenig und Olli und ich konnten das erstemal einen Blick auf die Insel werfen. Einfach überwältigend, ich hatte schon Gänsehaut und das lag nicht nur an den relativ kühlen Außentemperaturen. Noch etwa eine Stunde dauerte die Fahrt durch den Fjord bevor die Norröna im Ort Seyðisfjörður festmachte und wir unser Ziel erreicht hatten. Wieder waren wir als Fußgänger die ersten, die das Schiff verlassen durften, Norbert kam etwa eine halbe Stunde später um halb 11 auch mit dem Auto durch den Zoll. Die Gegend um Seyðisfjörður gleicht eigentlich ein wenig den Färöer-Inseln. Es ist grün und bergig, nur ein paar wenige Häuser sind am Meer oder in den umliegenden Bergen gebaut. Nun konnte unsere Rundreise beginnen, das erste Ziel vieler Touristen von Bord der Norröna ist der Ort Egilsstadir. Ein Einkaufszentrum, eine Tankstelle, eine Bank und ein Campingplatz, das sind die Highlights hier. Aber auch einen Arzt gibt es dort und den musste ich mit Norbert bald aufsuchen. Er hatte sich beim Aufstehen aus der Koje einen Hexenschuss zugezogen der noch vor der Fahrt in das Hochland behandelt werden musste. Die Ärztin war sehr nett, ohne Probleme wurde Norbert behandelt und bekam eine Spritze, die ihm offenbar sofortige Linderung verschaffte. Unser erstes Ziel in Island sollte das Kverkfjöll sein, inmitten des Hochlandes am Rand des Vatnajökull gelegen. Am Lögurinnsee entlang kamen wir auch am Hengifoss vorbei. Da Norbert auf seinen Reisen 1993 und 1995 diesen Wasserfall noch nicht besucht hatte, beschlossen wir kurzfristig eine Wanderung dorthin zu unternehmen. Der Hengifoss ist Islands dritthöchster Wasserfall und fällt von einer aus Basaltsäulen geformten Felsstufe zu Tal. Auch der etwas weiter unterhalb des Hengifoss gelegene Litlanesfoss ist hübsch anzusehen, auch hier ist die Fallstufe aus Basaltsäulen geformt und die sattgrünen Wiesen und Moosflächen bilden einen gelungenen Kontrast zum schwarzen, nassen Fels. Eine nicht lange Tour durch teilweise steiles, von Bächen und Rinnsalen zersetztes Berggelände, aber es ist unbedingt empfehlenswert, diese Tour einmal gegangen zu sein. Nach einem kleinen Imbiss nach unserer Rückkehr zum Auto ging die Tour hinauf zu einer Hochebene, von der wir den Vulkan Snæfell sehen konnten. Hier genossen wir zum ersten Mal die Weite des isländischen Hochlandes. Obwohl eher vegetationsarm faszinierte mich die Landschaft sehr, ich genoss jeden Meter der Fahrt in diesem mir noch total unbekannten Land. Zum Abend erreichten wir das Tal nahe des Hofes Brú. Auf grünen Wiesen, ein paar Schafe grasten hier, ließen wir uns nieder. Vorher fragten wir aber um Erlaubnis am unweit gelegenen Hof, konnten wir ja nicht sicher sein, dass diese Wiese nicht doch kultiviertes Land war. Campieren auf kultiviertem Land ist in Island nicht erlaubt. Uns war es aber gestattet unsere Zelte hier aufzuschlagen und unweit des Flusses Hölkná eine Nacht zu verbringen. Während ich für das leibliche Wohl der Mannschaft sorgte, wuschen Norbert und Olli mal wieder kleine Wäsche, die zum Trocknen an den Zeltstangen aufgehängt wurden, die auch unsere Bauplane spannten, unter der wir trocken und komfortabel sitzen konnten. Die Nacht verlief ruhig, einzig die Plane flatterte etwas im aufkommenden Wind. Norbert und ich sind dann aufgestanden, haben nachgespannt und uns für den Rest der Nacht wieder zur Ruhe begeben. Die Kinder haben von all dem nichts mitbekommen, erst viel später wurden wir vom Blöken der an den Zelten vorbeiziehenden Schafen geweckt. Nach dem Frühstück erfolgte das bekannte Procedere: Zelte abbauen und ordentlich verstauen. Mittlerweile haben wir Übung darin und unsere Fahrt in Richtung Kverkfjöll kann bald beginnen. Die Landsachaft dabei ist eigentlich nicht in Worte zu fassen, so grandios und überwältigend ist das von uns befahrene Gebiet. Der Weg wechselte von brutal hartem und spitzem Lavagestein bis hin zu losem Bimsstein. Die Flüsse und Bäche die zu furten waren lockerten das Bild zusätzlich auf und dazu der wirklich einmalige Blick auf die Herðubreið, in der Edda die Burg Asgard, der Sitz des Gottvater Odin. Ich konnte mich an dieser Landschaft kaum sattsehen. Ich fürchte, mit meinen Notizen hier kann ich die Landschaft wohl beschreiben, die Gefühle dabei sind aber nicht in Worte zu fassen und lassen sich kaum vermitteln. Aber es sei gewiss, jeder der ein Auge für die Unberührtheit Islands entdeckt, wird meine Gefühle verstehen können! Am Ende der recht langen Tagesettape erreichten wir die Hütte am Kverkfjöll. Der freundliche Warden, er leitet diese größere Hütte in der Saison, begrüßte uns und wies uns an, die Zelte auf den Grasrabatten vor der Hütte aufzuschlagen. Diese sind nur etwa 3 Meter breit und jeweils etwa 10 Meter lang und für uns war es nur schwer zu begreifen, wie es hier in der Wüste gelingt, überhaupt Gras wachsen zu lassen, wo uns doch nur Sand und schwarzes Lavagestein umgibt. Nachdem unsere Domizile errichtet waren, erkundigten wir uns beim Warden über den Zustand auf dem Vatnajökull. Wir hatten uns vorgenommen zu den Solfataren im Gletscher aufzusteigen und so brauchten wir gesicherte Informationen ob und wie der Weg hinauf zu begehen ist. Der Warden riet uns von einem Alleingang ab und verwies auf eine isländische Bergführerin, die am nächsten Morgen eine Gruppe Touristen, die aus Deutschen und Isländern bestand, hinauf führen wollte. Wir sprachen die Bergführerin an, sie sprach sehr gut deutsch, und sie hatte nichts dagegen, dass wir uns der schon bestehenden Gruppe anschlössen. Ein sicheres Gefühl, uns war es 35.- DM pro Person wert, mit professioneller Hilfe auf den Gletscher zu steigen. Treffen ist morgen früh um 8:30 Uhr! Nach dem Frühstück und Vorbereitungen für die Wanderung ging es los. Die Bergführerin hatte einen geländegängigen Bus dabei, wir konnten noch mitfahren, so hatte der Lada heute Ruhetag. Auch der Warden der Hütte fuhr mit, auch in seinem Auto fanden noch verschiedene Wanderer Platz und so fuhren wir erst mal bis zum Parkplatz am Gletschertor vor. Das Wetter war phantastisch, superblauer Himmel und auch die Fernsicht war garantiert. Schon die Aussicht auf das Gletschertor mit dem darausströmenden Wasser, das schließlich Islands längstem Fluss speist, der Jökulsá á Fjöllum, verspricht Gewaltiges, der Blick über die bis in das Tal hinabreichende Gletscherzunge, über die wir aufsteigen werden, ist überwältigend. Worauf haben wir uns da eingelassen? Im Gänsemarsch, der Warden als Kenner der Begebenheiten immer voraus, erklommen wir den Gletscher Meter um Meter. Ein paarmal mussten wir umkehren, der weitere Weg war uns durch Gletscherspalten versperrt, aber schließlich fand der Warden einen sicheren Weg durch das Labyrinth aus Spalten und Tümpeln. Schon früh im Eisbruch wäre für uns ohne Führung Schluss gewesen, so konnten wir schon jetzt sagen, dass sich die geführte Wanderung für uns gerechnet hat. Mir kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, irgendwann aber standen wir am ersten Solfatarengebiet. Das ist phantastisch, rings umher Schnee und Eis und inmitten dessen faucht und zischt es heiß aus dem Boden. Die geothermale Energie hat hier den Kampf mit dem ewigen Winter im Gletscher gewonnen und lässt einen Blick bis tief in die fauchenden Schlote zu, aus denen heißer, schwefelig riechender Dampf entweicht. Dazu eine Aussicht bis tief in das isländische Hochland hinein. Selbst die etwa 80 Kilometer weit entfernte Herðubreið ist deutlich zu sehen. Besseres Wetter hätten wir uns kaum wünschen können. Nach einer Rast hier inmitten der Solfataren, entschied der Warden wieder zurück zu gehen während die isländische Bergführerin noch den Weg zum zweiten Solfatarengebiet und zum Gletschersee am Kverkfjöll gehen wollte. Oliver, Anna-Alicia und ich und noch ein paar andere Wanderer haben uns dem Warden angeschlossen, Norbert hatte noch den Ehrgeiz mit der verbleibenden Gruppe weiter aufzusteigen. Nein, für mich war hier Schluss, meine Beine waren schwer genug und der Abstieg verlangte ja auch noch ein wenig Aufmerksamkeit. Der Warden gab sich alle Mühe uns während des Abstieges zu unterhalten. Mit viel Insiderwissen erzählte er vom Gletscher und der hiesigen Umgebung, dennoch dauerte der Abstieg für uns über zwei Stunden. Ich war froh endlich wieder im Auto zu sitzen. Die Tour war super, für mich als untrainierter Wanderer aber sicher schon eine Nummer zu groß. Dennoch erreichte ich das Zelt mit dem Wissen, etwas für meine Verhältnisse Großes geleistet zu haben mit Erinnerungen, die mir keiner mehr nehmen kann. Norbert erreichte mit dem Rest der Gruppe und der Bergführerin noch das zweite Solfatarengebiet und kam sichtlich aufgekratzt ob der Begeisterung über das Erlebte zurück. Nach einer kräftigen Mahlzeit und einer Dusche für alle war der Tag auch schon um und so sind wir erschöpft, aber glücklich, in die Schlafsäcke gekrabbelt. Der weitere Weg sollte uns heute zu einem weiteren Highlight im Hochland führen. Nach dem obligatorischem Zusammenpacken am Morgen führte uns der Weg entlang und durch verschiedene Lavafelder bis sich die Landschaft im Ódáðahraun wieder etwas gemäßigter darstellte. Über bimssteingedeckte Pisten erreichten wir gegen Mittag die Drekagil-Hütte, von der eine etwa 8 Kilometer lange Piste durch ein noch sehr junges Lavafeld führt und inmitten dessen endet. Weiter geht es nur noch per Pedes zum Krater Viti und zu Islands tiefstem See, dem Öskjuvatn. Der Krater sowie der See befinden sich in der so genannten Askja-Caldera, einer etwa 50 qkm großen Senke, die erst nach diversen Vulkanausbrüchen durch Erdsetzungen entstanden ist. Es war kalt hier, der Wind wehte heftig über die Askja (wörtliche Übersetzung: Schachtel), dennoch war der Blick in den wassergefüllten Krater des Viti und über den nahe liegenden Öskjuvatn grandios. Schneebedeckte Berge umher und im Gegensatz dazu das wohl 28°C warme Wasser im Krater. Ein paar andere Wanderer ließen es sich nicht nehmen in den Krater abzusteigen und ein Bad zu nehmen. Erst zum fortgeschrittenen Nachmittag erreichten wir das auf dem Parkplatz inmitten des Lavafeldes abgestellte Auto. Schreck lass nach, hier mussten wir feststellen, dass unser Wasserkanister im Anhänger leck geschlagen und ausgelaufen war. Zusammen mit immer wieder eindringendem Staub verwandelte sich der Inhalt des Anhängers, vornehmlich Vorräte und Küchenutensilien, in ein dreckiges, nasses Durcheinander. Da muss was passieren! Das Ende der Tagesetappe markierten wir dann am Fuße der Herðubreið. Inmitten der Oase Herðubreiðarlindir gibt es einen Campingplatz, idyllisch, wenn auch nicht wirklich leise, die vielen isländischen Touristen lassen gern mal den Motor ihres Geländewagens laufen ohne das Auto bewegen zu wollen, wir haben aber ein für uns passendes Fleckchen gefunden. Oliver und ich haben dann den Inhalt des Anhängers sortiert, gewaschen und bereit gestellt, während Anna-Alicia und Norbert damit beschäftigt waren, den Anhänger mit großen Kunststoffplanen auszukleiden und darin die sowieso in Taschen gepackte Kleidung zu verstauen. Die Küchenutensilien mussten dafür in den Kofferraum umplaziert werden. Ich habe das Ende der Umpackaktion nicht mehr mitbekommen, erst nach Mitternacht waren Anna-Alicia und Norbert damit fertig geworden. Zu dieser Zeit habe ich schon selig geschlafen und auch Oliver hatte sein Ticket für den Schlafsack gelöst. Nach einer erfrischenden Wäsche mit kaltem Wasser, Frühstück mit mittlerweile gewohnt frisch aufgebrühtem Kaffee, sind wir noch auf dem Lavafeld inmitten der Oase Herðubreiðarlindir herumspaziert. Interessant ist dort die Vegetation anzusehen. Zwischen Strick- und Fladenlava wachsen kleine Pflänzchen und geben dem Schwarz der Lava immer wieder kleine bunte Flecken. Wir haben auch die Felsnische inmitten der Lava gefunden, in der im Winter 1774/75 der Gesetzlose Fjalla-Eyvindur überlebte. Er ernährte sich von rohem Pferdefleisch, Gräsern und Wurzeln. Da unser Ziel heute nur der Ort Reykjahlíð am Mývatn sein sollte, konnten wir uns zur Weiterfahrt etwas mehr Zeit lassen. Wir genossen einmal mehr die Fahrt zurück zur Ringstraße 1. Obwohl, nachdem wir die Oase verlassen haben, die Landschaft wieder in ein einheitliches Grau übergeht, ich kann mich nicht sattsehen an dieser unglaublich schönen Gegend hier. Ich fühle mich in die Entstehungsgeschichte der Erde zurückversetzt. Im Bereich der Ringstraße verändert sich die Landschaft dramatisch. Immer noch herrschen Lavafelder vor, diese sind aber sehr alt und schon grün bewachsen von Moosen und Flechten. In Vogar am Mývatn haben wir einen schönen Campingplatz gefunden, der uns in den nächsten Tagen eine gute Basis für Unternehmungen im näheren Umland bietet. Beim Zeltaufbau dann der große Schreck. Oliver wollte doch nur einen krummen Hering geradebiegen, dabei rutschte er aber so unglücklich ab, dass er sich tief in den Zeigefinger der rechten Hand geschnitten hat (zum Glück ist Olli Linkshänder). Der Schnitt blutete heftig und sah auch tief aus, da blieb nach der Erstversorgung mit Verbandmaterial aus dem Verbandskasten des Autos nur die Fahrt zum Arzt nach Reykjahlíð. Es war wieder eine Ärztin die Oliver versorgte und den schräg über den Finger verlaufenden Schnitt klebte. Verband drum, Honorar bezahlt und weiter ging es. Ich hoffe mal, dass dies der letzte Zwischenfall war, der uns zu einem Besuch beim Arzt in Island veranlasste. Unsere erste Unternehmung von Vogar aus sollte die Wasserfallrunde werden. In der Reihenfolge Selfoss, Dettifos und Hafragilsfoss wollen wir besuchen. Norbert erzählte mir, dass der Dettifoss der mächtigste Wasserfall Europas ist, den wollten wir uns dann auch genauer ansehen. Am Parkplatz an der Westseite des Dettifoss erkennt man schon das aufgischtende Wasser und kann, ohne den Wasserfall gesehen zu haben, schon ein Bild davon bekommen, mit welchen Wassermassen zu rechnen ist. Laut unserer Information beginnt der Wanderweg hier am Parkplatz und so folgen wir der Markierung auch bis zur ersten Kaskade, dem Selfoss. Der Selfoss ansich führt das gleiche Wasser wie der Detti- und Hafragilsfoss, durch seine geringe Fallhöhe wirkt er aber eher klein. Der Cañon der Jökulsá á Fjöllum ist hier aber schon beeindruckend. Weiter unterhalb des Wasserlaufes gelangen wir bald zum Dettifoss. Das ist ein Superlativ, den muss man mal gesehen haben! Auf einer Breite von sicher 100 Metern stürzen hier pro Sekunde 440m³ Wasser in die Tiefe und legen dabei eine Höhe von 40 Metern zurück. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr und die Gischt versetzt die Landschaft umher in permanenten Nebel. Bei der Sonne die heute scheint sind da Regenbögen aus fast allen Lagen zu sehen, ein wirklich beeindruckendes Schauspiel. Ohne Absperrungen gelangten wir bis an die Fallkante heran, ein Blick hinunter ist wirklich nur denen zu empfehlen, die schwindelfrei sind. Vom gischtendem Wasser durchnässt gelangen Anna-Alicia und Norbert aber sicher ein paar schöne Aufnahmen von diesem Wasserfall. Eigentlich hätte der Weg weiter zum Hafragilsfoss führen sollen, da wir aber den rechten Weg innerhalb des immer enger werdenden Cañon nicht fanden, entschlossen wir wieder zurück zum Auto zu gehen und es weiter nördlich noch einmal zu versuchen. Von einem kleinen Parkplatz gelang es uns dann doch noch zum Hafragilsfoss zu gelangen. Zwar mussten wir uns selbst einen Weg entlang eines Steilhanges suchen, der Abstieg hinunter zum Cañon erforderte unsere ganze Aufmerksamkeit, die Blumen- und Blütenpracht die uns aber am Ufer eines kleinen Zuflusses zur Jökulsá á Fjöllum erwartete, hatten wir so hier gar nicht erwartet. Inmitten einer Schlucht, umgeben von herabhängenden Basaltsäulen einen sprichwörtlichen Garten Eden vorzufinden, dazu ein Fluss, der so klar ist, dass jeder Stein am Grund deutlich zu sehen ist, das war ein besonderes Highlight. Der Hafragilsfoss geriet danach fast zur Nebensächlichkeit. Auf dem Rückweg zum Mývatn kamen wir noch am direkt neben der Ringstraße 1 gelegenen Geothermalgebiet von Námasgarð vorbei. Viele Touristen waren hier zu finden, wir stellten uns auf dem Parkplatz dazu und folgten den abgesperrten Wegen zu den blubbernden, mit schwefeligem Schlamm gefüllten Töpfen. Grau und heiß wabert der Matsch darin als ob Pudding kochen würde. Der Geruch von Schwefel liegt schwer in der Luft. Mir persönlich war der Geruch zuwider, obwohl sehr interessant den geothermalen Energien zuzusehen, ich musste hier weg! Schade nur, dass sich die anderen wenig verständlich für meine Reaktion zeigten. So beendeten wir den Tag wieder mit vielen Eindrücken und einer Runde "Phase 10", die ich, fast wie immer, gewonnen habe. Die dunklen Burgen, die Dimmuborgir, waren unser heutiges Ziel. Direkt vom Campingplatz aus starteten wir zur Wanderung durch das von erstarrter Lava bizarr geformte Gebiet. Uralt, daher üppig bewachsen, das Grün der Pflanzen nimmt ein wenig von der düsteren Eigenschaft der Lava, die hier nach einem Ausbruch des Lúdentborgir unterirdisch abfloss und im Laufe der Zeit durch die Erosion der Oberfläche an das Tageslicht gelangte. Über einen kleinen Spazierweg gelangten wir später an den Fuß des Ringwallkrater Hverfjall. Nun packte uns der Ehrgeiz, da wollten wir hinauf. Der Weg an den Kraterrand erwies sich aber als "Märtyrer-Weg", durch den weichen, sandigen Untergrund gelangen uns immer nur 2 Schritte vor, während wir einen wieder zurück rutschten. Obwohl der Hverfjall nur etwas über 450 Meter hoch ist, der Aufstieg erwies sich als ausgesprochen schweißtreibend. Von oben allerdings war die Sicht schon gigantisch. Bis weit über den Mývatn und hinein in das Hochland in Richtung Herðubreið ließen wir den Blick schweifen. Der Hverfjall ist schon lange nicht mehr aktiv, der letzte Ausbruch erfolgte etwa vor 2500 Jahren, damals gelangte er zu der kreisrunden Form, die er heute noch zeigt. Viele Besucher des Krater steigen in diesen hinab und verewigen sich dort mit in Ornamenten ausgelegten Schriftzügen aus Stein, uns war der Aufstieg schon schwer genug, wir hatten keine Ambitionen dazu in den Kraterschlund abzusteigen und uns hier auch noch zu verewigen. Über die Nordseite des Hverfjall stiegen wir dann wieder ab, wesentlich leichter als beim Aufstieg, brauchten wir hier bekanntlich ja nur einen Schritt vorwärts zu machen um zwei Schritte weiter zu kommen. So waren wir bald wieder am Fuße des Vulkan angelangt. Eine weitere geologische Sehenswürdigkeit wollten wir uns aber noch ansehen, nämlich die Grótagjá, eine Lavaspalte, in der heute ein etwa 50°C heißer unterirdischer Fluss fließt. Norbert kannte die Grótagjá schon von seinen früheren Reisen hierher nach Island, er führte uns zielgenau an die von außen unscheinbar wirkende Felshöhle. Eine kleine Öffnung ließ den Zugang in das Innere zu, warme Luft strömte uns entgegen, die Brillen beschlugen ob der hohen Luftfeuchtigkeit in der Höhle. Zuerst sieht man herzlich wenig, erst wenn sich die Augen an das durch den Eingang herabfallende Restlicht gewöhnt haben, erkennt man das Innere der Höhle genauer. Glasklar, aber für ein Bad definitiv zu heiß, fließt das Wasser eines unterirdischen Flusses durch diese Lavahöhle. Wenn es auch nicht ganz einfach ist in dieser Dunkelheit Photos zu schießen, Anna-Alicia baute das Stativ für ihre Kamera auf und machte ein paar Bilder. Wieder draußen waren wir entsetzt über die Temperatur, so richtig aufgewärmt aus der Höhle empfanden wir das Wetter draußen als ziemlich ungemütlich. Es zog uns daher zurück zu den Zelten, das Abendessen ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Die Kiddies hatten heute genug vom Sightseeing, Norbert und ich machten uns nach dem Abendessen aber noch einmal auf zum Geothermalgebiet der Krafla. Ein Geothermalkraftwerk nutzt die Energie aus dem Boden zur Gewinnung des Stroms, über dicke Rohrleitungen wird der heiße Dampf der Erde den Turbinen im Kraftwerk zugeführt. Sieht nicht wirklich idyllisch aus aber der Zweck heiligt die Mittel. Billiger und effektiver ist wohl kaum Strom zu erzeugen und auch zur Fernwärme eignet sich der überschüssige Wasserdampf. Aber nicht das Kraftwerk war es, warum wir hierher gekommen sind. Der Krater Viti (auch hier gibt es einen Krater wie dem in der Askja) und die Lavafelder des Leirhnjúkshraun waren es, warum wir den Weg hierher gefunden haben. Tiefschwarz, an verschiedenen Stellen noch fauchend und zischend stellte sich das jüngste Lavafeld des Leirhnjúkshraun dar, Nebelschwaden zogen tief über das Lavafeld von 1984 und die Strahlen der tiefstehenden Sonne, es ist mittlerweile nach 22 Uhr, zaubern ein unwirkliches Bild. Wären im Hintergrund nicht die Rohrleitungen des Kraftwerkes zu sehen, wir hätten uns in die ersten Tage der Weltgeschichte zurückversetzt gefühlt. Einfach atemberaubend, zumal die Stimmung, das Licht und alles drum herum passte. Ich war gerne hier! Dieser Ort hat mich aber sicher in meinen Gedanken darin bestärkt, hierher einmal wieder zurück kommen zu wollen. Gestern Abend deutete es sich schon an, heute morgen ist es nur kalt und ungemütlich. Wir haben daher auch auf das obligatorische Frühstück am Tisch verzichtet, sind alle zu uns in das Zelt gekrabbelt und haben darin, zwar etwas beengt, unser Frühstück genossen. Uns war dann auch schnell klar, dass es heute nur noch weiter gehen kann, die Zelte waren daher bald abgebaut und wir saßen allesamt im Auto auf dem Weg nach Akureyri. Viele isländische Sehenswürdigkeiten sind problemlos direkt von der Ringstraße zu erreichen, so auch der Góðafoss, den wir bei anhaltendem Nieselregen aber als nicht so sehr schön empfunden haben. Irgendwie gehört der Wasserfall aber zum touristischen Pflichtprogramm, da durften Olli und ich als Island-Neulinge natürlich nicht dran vorbei fahren. In Akureyri war das Wetter immer noch nicht viel besser. Es nieselte leicht, es war ungemütlich kühl, eigentlich ein Wetter um sich in den warmen Schlafsack zurückzuziehen und darauf zu warten (und hoffen), dass es bald wieder schöner wird. Norbert suchte des Nachmittags noch eine kleine KFZ-Werkstatt auf. Nicht der Lada war defekt, eine Schweißnaht am Deckel des Anhänger war gebrochen und musste repariert werden. Dazu musste dieser natürlich komplett leer geräumt werden was zur Folge hatte, dass in den Zelten ein einziges Chaos herrschte. Die Kinder und Norbert entflohen dem, indem sie, trotz der ungemütlichen Temperaturen, in das Freibad direkt gegenüber des Campingplatzes gingen. Mir war das einfach zu kalt draußen als das ich hätte in ein Freibad gehen wollen. Norbert und Anna-Alicia zeigten sich wenig verständlich für meine Zurückhaltung, daher gerieten wir mit unseren verschiedenen Meinungen auch etwas aneinander. Wenn ich so auf diesen Urlaubstag zurück blicke, dann würde ich diesen Tag am liebsten mit "abhaken und weiter" beschreiben. Irgendwie war heute nichts dabei, was mich fasziniert hat. Unser zweiter Tag in Akureyri. Schon früh konnte Norbert den Anhänger wieder aus der Werkstatt abholen. Ordentlich repariert haben wir in den Zelten dann auch wieder Ordnung geschaffen indem alles das, was zur Reparatur aus dem Anhänger ausgeladen war wieder eingeladen wurde. Danach starteten wir nach Glaumbær, einem alten Museeumsgehöft aus dem 18./19. Jahrhundert. Nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt Akureyri, dennoch absolut empfehlenswert. Die einzelnen Gebäude ducken sich tief in die Landschaft, mit Grassoden erbaut und mit grasbewachsenen Dächern, verschwinden sie fast schon im hier üppigen Agrarland. Interessant sind auch die Einrichtung und Arbeitsgeräte der damaligen Zeit. Teilweise lebten und arbeiteten die Bauersleute mit ihren Knechten und Mägden in diesen kleinen Häusern, Betten wurden oft von 2 Personen benützt. Während der eine arbeitete, konnte der andere schlafen und umgekehrt. Dem Bauern und seiner Frau wurde aber die Ehre einer eigenen Kammer und eines eigenen Bettes zuteil. Die Gerätschaften für den Betrieb des Hofes ließen erahnen, unter welchen teils schwierigen Bedingungen ein solches Unternehmen über das gesamte Jahr gesehen, geführt wurde. Des Abends ließ ich mich dann doch noch dazu überreden mit in das Schwimmbad in Akureyri zu gehen. Norbert erzählte mir von den "Hotpots", mit warmen Wasser gefüllte Becken, in denen es wärmer sei, als in der heimischen Badewanne. Es brauchte aber für mich dennoch Überwindung nur im Badeanzug bekleidet über das Schwimmbadgelände zu laufen. Warm war es allemal im Wasser, die Lufttemperatur war jenseits der Marke, in der ich gewöhnlich in ein Freibad gehe. Fazit: Freibäder in Island (rund 98% der Schwimmbäder hier sind open air) sind mein Ding nicht! Aber ich habe es jetzt erlebt und kann mitreden, wieder eine Erfahrung, die ich gern aus dem Urlaub mitnehme. Der Tag heute soll uns in den Süden der Insel führen. Schon gestern Abend haben wir den Weg dorthin beschlossen. Entlang des in Akureyri beginnenden Eyjafjarðarleið führte uns der Weg bis tief in ein Tal, an dessen Ende ein steiler Passanstieg zu überwinden war. Der Lada hatte aber selbst mit Anhänger keine Mühe dort hinauf, obwohl in verschiedenen Reiseführern davor gewarnt wird, diesen Pass mit untermotorisierten Fahrzeugen zu befahren. Nachdem wir die Passhöhe erreicht hatten, eröffnete sich vor uns das Nichts, die totale Einöde, der Sprengisandur. Dieser Sander mag heute seinen Schrecken verloren haben, zu Zeiten, als Island noch mit Pferden durchquert werden musste, fehlte es hier aber an Weideflächen und Wasserstellen. Die Reiter waren daher gezwungen so schnell wie möglich über diesen Sander zu "sprengen", daher wohl der Name. Hier im Sprengisandur war das Wetter nicht wirklich schön. Tiefziehende Wolken aus denen es gelegentlich tröpfelte, dazu ein Wind, der einen aufrechten Gang fast nicht zuließ, kaum ein Sonnenstrahl sollte die Erde hier und heute erhellen. Irgendwie passte das Wetter aber zur Umgebung, ich glaube, der Sprengisandur würde an Charakter verlieren wenn es hier schönes Wetter wäre. Unser Ziel, die Nýidalur-Hütte, erreichten wir gegen Nachmittag. In Anbetracht des immer noch tobenden Sturms, hier kam er uns sogar noch heftiger (und kälter) vor als des Vormittags im Sprengisandur, zogen wir eine Hüttenübernachtung vor. Die Zelte blieben im Auto und wir richteten uns noch vor der Ankunft einer französischen Reisegruppe in der Hütte ein. Bald nach deren Ankunft war aber die Küche belegt, so mussten wir uns noch eine Weile gedulden, bevor auch wir eine freie Stelle am Herd in der Küche in Beschlag nehmen konnten. Gemütlich im Warmen sitzend, mit einem heißen Tee und einem Buch in den Händen, beschlossen wir den Tag. Die Franzosen zogen sich auch bald zurück und des Nachts waren hier und da vereinzelte Schnarchgeräusche zu hören. So ist das eben, wenn man in einer vollbesetzten Hütte übernachtet. Heute wollen wir zum Geysir fahren und auch dort übernachten. Der Weg dorthin führte uns weiter über die F 28, der Sprengisandsleið. An die Radfahrer im Hochland hatten wir uns mittlerweile gewöhnt, aber was uns da mitten im Nichts entgegenkam, verschlug uns die Sprache. Es war ein Wanderer mitten im Hochland bei stürmischem Wetter. Wir hielten an und er fragte uns, erstaunlicherweise auf deutsch, wie weit es noch bis zur Hütte sei. Man fragt sich allen Ernstes, was einen Menschen treibt, Island zu durchwandern. Der weitere Weg war auch nur Einöde, lediglich der Blick auf den Hofsjökull lockerte das Einheitsgrau auf. Als dann endlich die ersten grünen Stellen zu sehen waren, war das eine Wohltat für die Augen. Rasch veränderte sich die Landschaft und würde zusehends grüner. Die Straße war nun asphaltiert und wir kamen gut voran. Die Verbindungspiste vom Þsjórsá-Kraftwerk zum Geysir haben wir nach etwas Sucherei gefunden. Hier waren aber sehr viele ausgewaschene Querrinnen und ein Fluss, der sich als nicht passierbar erwies, zwang uns schließlich zur Umkehr. Am Geysir angekommen, haben wir uns dieses Gebiet erst einmal angesehen. Obwohl ein touristisches Highlight, daher auch sehr stark frequentiert, lohnt es sich in jedem Fall einmal hier zu kommen. Der Große Geysir, Namensgeber aller Geysire dieser Erde, ist nicht mehr aktiv und kann nur unter Umgehung physikalischer Begebenheiten wieder erweckt werden, sein kleiner Bruder, der Strokkur, schießt jedoch noch in regelmäßigen Abständen seine Fontänen etwa 20 Meter hoch in die Luft. Ein beeindruckendes Schauspiel, bei dem man die Windrichtung nicht aus den Augen verlieren sollte. Der Campingplatz direkt neben dem Gelände am Geysir sah nicht sehr einladend aus und so sind wir ein Stück weitergefahren und haben dann in Brattholt einen preiswerten Platz gefunden. Hier im Süden findet man die Highlights, die weitläufig auch als der "Golden Circle" bezeichnet werden. Geysir, Gullfoss und Þingvellir. Den Geysir haben wir ja gestern schon gesehen, auf dem Weg nach Reykjavík kommen wir aber noch am Gullfoss und dem Þingvellir vorbei. Das Wetter zeigte sich heute von seiner ganz üblen Seite. Obwohl wir schon so manchen Regentropfen abbekommen haben, heute mussten wir die Zelte erstmalig nass verstauen. So wählten wir unsere Kleidung auch gleich passend zum Wetter, Regenkleidung tat aber nicht nur wegen des Wetters Not, auch bei der Besichtigung des Gullfoss war sie erste Wahl. Der Gullfoss, ein weiteres Highlight auf unserer Rundreise, stürzt über zwei Felsstufen in eine enge Spalte und gischtet dabei soviel Wasser auf, dass alles herum vom Wasser aufgeweicht ist. Die Wiesen umher sind knöcheltief aufgeweicht, die Wege hinunter zum Wasserfall gleichen kleinen Bächen und der Fels ist glitschig und moosbewachsen vor lauter Feuchtigkeit. Aber es macht Spaß hier in der richtigen Kleidung. Wir sind ganz nahe heran gekommen an den Wasserfall, wie auch am Dettifoss stören hier kaum irgendwelche Absperrungen. Dennoch beschenkte uns der Gullfoss mit reichlich kühlem Nass, nach unserem Besuch dort tropfte unsere Kleidung buchstäblich aus allen Knopflöchern. Der Weg nach Þingvellir führt uns weiter durch kultiviertes Agrarland, Ackerbau und Viehzucht stehen hier wohl an erster Stelle. Auch im Þingvellir war das Wetter nicht viel besser, bei ungemütlichen Bedingungen besuchten wir eine in der Allmanagjá befindliche Kunstausstellung. Diese hatte eine sichtliche Anlehnung an den historischen Ort des Althings, verschiedene Exponate zeigten die Verbindung zu Recht und Ordnung. Hier im Þingvellir versammelten sich im Jahre 930 alle freien Männer Islands zum ältesten Parlament der Erde um über Recht und Ordnung zu beraten. Noch heute sind die Felsen markiert, die den damaligen Rednern als Pult dienten. Die Allmanagjá ansich ist aber auch ohne die historische Bedeutung ein besonderer Ort auf der Insel, bildet sie doch die überirdisch verlaufende, ganz offensichtliche, Nahtstelle der europäischen und der amerikanischen Kontinentalplatte. Man bewegt sich hier wahrhaftig mit einem Bein in Europa, mit dem anderen in Amerika. Ebenso wie das hochaktive Gebiet der Krafla in Nordisland ist die Allmanagjá die Verlängerung des mittelatlantischen Rückens, der, sollten die Kontinentalplatten einmal auseinander driften, Island genau hier teilen würde. Zum Abend erreichten wir Reykjavík. Immer noch war das Wetter nicht auf unserer Seite, ein Ausflug zum Wasserspeicher Perlan hoch über der Stadt erwies sich als nicht sehr ergiebig, hatten wir aufgrund der tiefhängenden, regenschweren Wolken fast keine Sicht von den Aussichtsterrassen. So verzichteten wir auch auf den hier eigentlich obligatorischen Stadtrundgang und besannen uns doch lieber der Nahrungsaufnahme. In einem besseren Schnellrestaurant bestellten wir uns Pizza, die allerdings so klein ausfiel, dass wir tatsächlich nachbestellten mussten. Lediglich das zum Dessert bestellte Eisbuffet war gut und üppig, nach 2 Portionen waren wir aber alle ziemlich sattgegessen. Die Sprache verschlug Norbert dann aber die Rechnung. Über 200.- DM waren hier fällig, für ein Schnellrestaurant ein ganz schön stolzer Preis. Hier merkten wir ganz bewusst, warum Island zu den teuersten Ländern der Welt gehört. Uns stellt sich bei solchen Preisen allerdings immer die Frage, wie die Isländer hier ihr Leben finanzieren können? Bisher haben wir dazu noch keine Erklärung gefunden. Es geht doch! Was gestern noch grau und nass war zeigte sich heute blau und trocken: Der Himmel. Es bot sich also doch der gestern versäumte Stadtrundgang an und auch die Aussicht von den schon gestern besuchten Aussichtsterrassen der Perlan war bilderbuchmäßig schön. Wir genossen den Blick über Reykjavík mit der Gewissheit, hier den eigentlichen Wendepunkt der Reise zu markieren. Da ja auch schon wieder eine Menge an Textilien gewaschen werden mussten und der Campingplatz den Luxus einer Waschmaschine nebst Trockner bot, nutzte ich die Gelegenheit zu hausfräulichen Tätigkeiten, während die anderen nach der Stadtbesichtigung relaxten. Irgendwie bekam uns diese Auszeit sehr gut, ohne das Auto zu bewegen, ohne fest eingeplantes Ziel oder Unternehmung den Tag ins Land ziehen zu lassen, das braucht man auch einmal im Urlaub. Hier haben wir die Ruhe dazu gefunden! Von Reykjavík sind wir nun auf dem Weg nach Skógar. Was gestern noch so schön war, heute zeigt sich das Wetter eher durchwachsen. Es weht heftig, aus dunklen Wolken regnet es auch hin und wieder, dann kommt aber auch die Sonne durch. Es ist genau das richtige Wetter um im Auto eine längere Wegstrecke zurückzulegen. Der Campingplatz in Skógar liegt ziemlich verlassen am Ende einer kleinen Stichstraße von der Ringstraße abzweigend. Ich glaube, dieser Campingplatz, eingerahmt von steil aufragenden Bergen am Ende des Tales, wäre gar nicht existent, gäbe es nicht auch ein kleines Schwimmbad dort. Das Wasser darin ist angenehm warm und der Hotpot ist nicht größer als eine Badewanne, dennoch bedurfte es hier wenig Überzeugungsarbeit, mich zu einem Bad darin zu bewegen.Trotz meiner Abneigung isländischen (Frei)Bädern gegenüber, mir war danach, zumal wir das Schwimmbad ganz allein für uns hatten. Nachdem wir unsere Zelte in Skógar aufgeschlagen und auch eine Kleinigkeit gegessen hatten, sind wir noch nach Kap Dyrhólaey gefahren. Das Kap markiert Islands südlichsten Punkt und ist nicht nur wegen des Felsentors ein Anziehungspunkt für Touristen. Interessant sind hier die Vielzahl von Meeresvögeln, die hier in den Steilfelsen in verschiedenen Etagen nisten und brüten. Besonders mag ich hier die Lundis. Mit ihrem bunten Gefieder, etwas traurig dreinblickend aber mit einem etwas unbeholfenem Flug, sehen die Lundis tatsächlich wie "Clowns der Lüfte" aus. Faszinierend ist auch der Strand unterhalb des berühmten Steilfelsen, der in jedem Islandprospekt zu finden ist. Etwa einen Kilometer breit, tiefschwarz und scheinbar unendlich lang, selbst deutsche Werbefilmer haben den Strand für sich entdeckt. Es ist so schön hier, wir haben Stunden am Strand sitzend verbracht und dem anbrandendem Meer zugesehen und das Rauschen der Wellen hatte auf uns eine ungemein beruhigende Wirkung. Eine Tüte voll schwarzen Kies haben wir als Andenken mitgenommen. Der soll in unserem Wohnzimmer in einem dekorativen Glas an diesen Ort und den Urlaub in Island erinnern. Norberts Wunsch war es, von der Ringstraße in Hvolsvöllur abzubiegen und in Richtung Alftavatn zu fahren, von dort aus weiter in das Hrafntinnuhraun um von dort aus nach Landmannalaugar zu gelangen. Diese Tour hatte er schon einmal unternommen, er kannte also die Beschaffenheit des Weges und ihm war klar, vorher Erkundigungen darüber einzuziehen. Leider bekamen wir nach einem Anruf beim Warden der Alftavatn-Hütte kein grünes Licht. Die Piste war zwar geöffnet, jedoch lag noch sehr viel Schnee dort und die Flüsse führten so viel Wasser, das eine Furt mit dem Lada zu gefährlich sei. Wir vertrauten der Insiderinformation und wählten daher einen anderen Weg nach Landmannalaugar. Auf verlassener Piste erreichten wir bald einen Fluss, breit und ziemlich ruhig daherfließend. Norberts Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes, er zog zuerst die Watstiefel an und durchschritt den Fluss und erkundete seine Tiefe. Bis auf die andere Seite und zurück, der Gesichtsausdruck wollte nicht besser werden und die Daten zum Fluss waren eher erschütternd: etwa 75 cm tief, schnell fließend mit sandigem Untergrund, dazu noch ein dicker Stein, der direkt in der Fahrlinie lag. Norbert wies mich an den Lada hinüber zu bringen, während er selbst den Stein, den es zu umfahren galt, markierte. Ausgerechnet ich, die außer den paar Metern nach Reykjalíð in Island noch kein Auto gefahren war, musste nun mit Anhänger hinten dran und den Kiddies im Auto durchfahren ohne das Auto abzuwürgen! Alternativ hätte ich in den Fluss gemusst und hätte den Stein markieren müssen. Auch ein ziemlich übler Gedanke, die Watstiefel wären mir Nummern zu groß gewesen und die Strömung hätte mich sicher umgehauen. Mir blieb keine Wahl, alles nach Norberts Anweisungen nach seinem Zeichen: 3000 Umdrehungen, Untersetzung, Differentialsperre und dann die Kupplung laaaaangsam kommen lassen und nur nicht schalten oder Gas wegnehmen. Ich erlebte die Furt wie in Trance, ich steuerte den Wagen um Norbert herum und in diesem Augenblick hörte ich Olli nur "Gas, Gas..." rufen. Ich habe gezittert am ganzen Körper, nicht aus Angst, ich hatte so etwas nur noch nie selbst erlebt, es war ein irres Gefühl selbst am Steuer gesessen zu haben. Völlig aufgelöst aber stolz auf meine Fahrt durch den Fluss habe ich mir erst einmal eine wohlverdiente Zigarette geraucht. In Landmannalaugar angekommen regnete es wie aus Kübeln. Der Campingplatz dort ist ziemlich groß und liegt landschaftlich sehrwohl reizvoll direkt vor einem Lavafeld, eingerahmt von Ryolithbergen. Weniger attraktiv ist die Hütte dort und auch die Sanitäranlagen. Obwohl neu und großzügig angelegt wurden sie von den vielen anwesenden Touristen zur Trocknung derer nassen Wäsche belegt. In die Dusche oder auf das WC gelangte man nur, indem man zwischen den von der Decke herabhängenden Textilien Slalom lief. Zuerst gedachten wir in der Hütte Quartier zu beziehen, bei dem Wetter draußen war es sicher nicht angeraten die Zelte aufzuschlagen, aber auch hier war es nur voll und stickig, man roch die Feuchtigkeit derer, die hier übernachten. Nein danke, dann lieber im Zelt schlafen und draußen im Regen kochen! Norbert und die Kinder haben nach dem Essen noch ein Bad in der heißen Quelle genommen, die diesem Ort den Namen gegeben hat: Lanmannalaugar = die heißen Quellen der Leute vom Land. Ich habe mir das bei dem Regen heute lieber vom Steg aus angesehen, nass wurde ich dabei genug. Was aus dem Süden nicht möglich war sollte aus nördlicher Richtung aber zu machen sein. Wir fuhren mit dem Lada, der Anhänger blieb an den Zelten, zur Anfahrt in das Hrafntinnuhraun. Norbert wollte so gerne noch einmal zum Hrafntinnusker, einem Berg, an dem es Unmengen von Obsidian, einem Halbedelstein, zu finden gab. Norbert erzählte von seiner Fahrt dorthin im Jahr 1995, das hörte sich interessant an und weckte das Verlangen, diesen sagenumwobenen Berg selbst einmal zu sehen. Der Weg dorhin war harmlos, ein paar kleinere Bäche und größere Pfützen, nichts, was Sorgen hätte bereiten können. Allerdings wurde die Anfahrt immer steiler, der Untergrund immer lockerer und bei dem Regen immer weicher, verschiedene Rinnen, die es zu überqueren galt, mussten wir mit dicken Steinen auslegen damit der Lada darüber fahren konnte. Noch nicht ganz an der "Passhöhe" angekommen versperrte ein Schneefeld die Piste. Norbert versuchte es ein paar mal darüber hinweg zu fahren, der Lada grub sich aber immer wieder im matschigen Schnee ein und drehte dann durch. Hier war Ende im Gelände! Von nun an nur noch per Pedes. Allerdings ohne mich, ich hatte Anna-Alicia nämlich meine Regenhose geliehen, die sie - islanderfahren wie sie eigentlich sein sollte - im Zelt vergessen hatte. Ich wartete derweil im Auto, während die drei losstiefelten und den weiteren Weg erkundeten. Nach ihrer Rückkehr musste Norbert aber zugestehen, dass nach dem Schneefeld sowieso Schluss gewesen wäre, die Landschaft des Hrafntinnuhraun war tatsächlich zugeschneit und ein Weiterkommen wäre nicht mit unserem Auto möglich gewesen. So beendeten wir hier unsere Tour. Wir fuhren zurück nach Landmannalaugar und verkrochen uns, nach einem wärmenden Eintopf, in die Zelte. Lediglich Norbert hatte noch nicht genug für heute. Er bestieg bei immer noch strömendem Regen den Bláhnúkur, den Hausberg Landmannalaugars. Heute verabschieden wir uns von Landmannalaugar, viel auch nicht wirklich schwer, hatte es hier ja fast ausnahmslos geregnet. Auch das Einpacken der Zelte erfolgte im nassen Zustand, alles irgendwie nicht so schön. Aber ich wusste ja worauf ich mich bei der Einladung zum Urlaub in Island eingelassen hatte, nur mit schönem Wetter konnte und durfte ich nicht rechnen. Da ich wohl bei meiner Flussdurchfahrt den Stecker für die Anhängerelektrik zerlegt hatte, entschied Norbert zuerst in den Süden nach Kirkjubæjarklaustur zu fahren um dort Ersatz dafür zu beschaffen, bevor es wieder nordwärts zu den Laki-Kraterreihen gehen sollte. In Kirkjubæjarklaustur war allerdings kein neuer Stecker zu bekommen und so fuhren wir bei dichtem Nebel und Nieselregen entlang einer Piste zurück in das Hochland, den Kraterreihen entgegen. Der Süden des Landes schien im Winter allerdings extrem viel Schnee abbekommen zu haben, wieder war es ein Schneefeld, das uns die Weiterfahrt versperrte. Norbert versuchte noch um dieses Schneefeld herum zu fahren, ein Überfahren war ebenso unmöglich wie schon gestern, die Räder gruben sich am Steilhang immer wieder ein. Um nicht irgendwo hier in der Wildnis das Zelt aufzuschlagen entschlossen wir uns nach dem Studium der Karte für eine Hüttenübernachtung in der Hrossatungur-Hütte. Diese recht große Hütte bietet Platz für 24 Personen, wir waren aber allein dort und genossen den Komfort eines Gasofens, einer Gasheizung und Gaslaternen. Von den bereitgestellten Konserven bedienten wir uns nicht, wir hatten selbst unseren Proviant dabei. Bei Kerzenschein haben wir später noch Karten gespielt und sind dann nach und nach in die Betten gefallen. Es ist schon ein tolles Gefühl inmitten eines Lavafeldes so komfortabel nächtigen zu können. Irgendwie war hier im Süden der Insel das Wetter nicht so toll. Der Schnee des Winters erlaubte es uns nicht bis an die Kraterreihen vorfahren zu können und auf dem Weg zurück zur Südküste zur Ringstraße, der wir Richtung Skaftafell folgen wollten, begleitete uns der Regen und tiefhängende Wolken. In Kirkjubæjarklaustur frischten wir noch ein paar Lebensmittelvorräte auf, bevor wir zum Sprung über den Skeiðarársandur ansetzten. An verschiedenen Stellen erkannten wir noch die Schäden, die der große Gletscherlauf im Jahr 1996 nach dem Ausbruch des Vulkans unter dem Grimsvötn inmitten des Vatnajökull, verursacht hatte. Hier ist die Ringstraße fundamental für die Bewohner der Südküste, ich kann mir vorstellen, wie abgeschieden sich die Bewohner dieses Landstriches vorkommen mussten, als nach der Flutkatastrophe die Ringstraße teilweise weggespült wurde und so kein Verkehr mehr aus westlicher Richtung stattfinden konnte. Unsere Zelte errichteten wir auf dem Campingplatz inmitten des Nationalparks Skaftafell. Der Preis ist akzeptabel und rechtfertigt den hohen Standard des Platzes. Nicht zu glauben, heute in einer Woche sind wir alle wieder zuhause! Direkt vom Campingplatz aus führte uns ein kleiner Weg zu einem weiteren Highlight Islands, dem Svartifoss. Dieser Wasserfall ist nicht groß, der mit sehr schönen herabhängenden Basaltsäulen ausgekleidete Kessel, in dem der Svartifoss hinein stürzt, ist wegen des Sprühwassers tief schwarz gefärbt und ist daher besonders schön anzusehen. Da uns die Zeit ein wenig davon lief entschieden wir nach dieser kurzen Wanderung unsere Zelte abzubauen um weiter in Richtung Osten zu fahren. Dabei besuchten wir auch den Jökulsárlon, einem Gletschersee, der voller Eisberge ist, die von der Kante des Breiðamerkurjökull abbrechen. Obwohl in jedem isländischen Reiseführer erwähnt, empfand ich den Aufenthalt dort mehr oder weniger als Pflichtprogramm, dem ich mich hätte entziehen können. Für mich viel interessanter waren die verlassenen Höfe auf der Halbinsel Stokksnes. Unweit der NATO-Radarstation entdeckten wir zwei leerstehende Häuser inmitten einer grünen Wiese. Weit und breit nichts (außer der Radarstation), da fragt man sich, was treibt einen Menschen dazu, sich hier niederzulassen? Die Suche nach Spuren der Vergangenheit beschäftigte uns geraume Zeit, nirgends waren aber verwertbare Anzeichen dafür zu erkennen, wer dort wielange gewohnt hat. Norbert riet dann auch zur Weiterfahrt, der Weg nach Eyólfsstaðir, unserem nächsten Campingplatz am Berufjörður, war noch weit. Auch diesen Platz kannte Norbert schon von seinen früheren Reisen. Ein ganz kleiner Platz, nicht mehr als eine grüne Wiese hinter einem Gästehaus, dafür aber so schön inmitten der Berge am Fjord gelegen, da musste man sich wohlfühlen. Das Wetter war zwischenzeitig auch wieder so schön und warm geworden, dass Anna-Alicia und ich unsere Badesachen anzogen und vor den Zelten ein Sonnenbad nahmen, während Norbert die Elektrik des Anhängers wieder in Ordnung brachte. Den Stecker dazu hatten wir in Höfn bekommen. Nach der Abreise in Eyólfsstaðir zweigten wir am Ende des Berufjörður zu der wohl letzten Piste in diesem Urlaub über die Öxnadalsheiðí, kurz Öxi, ab. Norbert hatte seinen Spaß am Fahren auf dieser sehr holprigen Piste, Oliver, Anna-Alicia und mir kam es aber manchmal so vor, als würden wir auf einem bockigen Pferd sitzen. Über Egilsstaðir gelangten wir zum Borgarfjörður an dessen Ufern wir den Campingplatz in Bakkagerði besuchten. Sehr schön gelegen und dazu umsonst. Etwa 5 km von Bakkagerði befindet sich ein kleiner Bootshafen mit einer nahe gelegenen Aussichtsplattform. So klein der Ort Bakkagerði auch ist, auf diese Plattform wird aber schon mit dem Schild "Birdwatching" hingewiesen, kann man von dort aus den vielen hier nistenden Vögeln zusehen. Wir waren erstaunt ob der Vielzahl an Vögeln, es schien uns hier wesentlich mehr Lundis als am Kap Dyrhólaey zu geben. Zurück am Campingplatz unterhielt sich Norbert mit einem isländischem Ehepaar. Da wir morgen nach Husavík in Klammern (was so viel wie unbewohnt bedeutet) wollen, erkundigte er sich über den Weg dorthin. In unserem Reiseführer "Island erfahren" von Karl Wiktorin stand diese Tour als das Finale bezeichnet. Eine sehr schlechte Piste sollte an diesen entlegenen Ort führen. Nach Information der Isländer, mit denen Norbert sich unterhalten hatte, war der Weg dorthin als gar nicht so schwer und Husavík sei sehrwohl bewohnt. Wir redeten doch hoffentlich nicht von zwei verschiedenen Orten? Die Fahrt morgen wird es an den Tag bringen. Die Isländer sollten Recht behalten! Über eine kleine, wenig befahrene Piste gelangten wir von Bakkagerði nach Husavík. Gar nicht so schlecht wie von Karl Wiktorin beschrieben, sogar frei umherziehende Pferde begegneten uns auf dem Weg nach Husavík, eben so, wie die beiden Isländer gestern Abend schon erklärt hatten. In Husavík standen zwei Geländewagen vor den Häusern geparkt, Wäsche trocknete im frischen Atlantikwind, lediglich eine verfallene Scheune deutete darauf hin, dass die Zeit hier wohl schon einmal besser gewesen sein musste. Nahe der Häuser, direkt an der Steilküste gelegen, befindet sich ein kleiner Friedhof. Nur noch zwei Gräber sind erhalten, die gusseisernen Kreuze versinken bald im üppig wachsendem Gras, die anderen Gräber hat sich das Meer geholt. Vom Sturm abgetragen brach irgendwann die Steilküste ab und zog die zu nah an der Kante gebauten Gräber mit sich. Leider konnten wir an diesem mystischen Ort nicht lange bleiben. Wir mussten heute noch nach Seyðisfjörður, ging die Norröna ja von dort aus schon morgen Mittag. Unterwegs mussten wir auch noch einmal unsere Geldreserven auffrischen, auch sollte es für uns noch einmal ein isländisches Softeis geben. Die Rückreise morgen werde ich mit Freude antreten, denn ich kann es kaum erwarten unsere 3 Katzen wiederzusehen. Die Insel aber werde ich mit Wehmut verlassen, aber mit der Gewissheit, sie einmal wiederzusehen. Aber es ist ja auch noch ein wenig Zeit, die ich mit Norbert bei einem kleinen Ausflug genossen habe. Nach dem Abendessen auf dem Campingplatz in Seyðisfjörður sind Norbert und ich noch einmal zu einer kleinen Ausfahrt nach Dalatangi gestartet. Das ist der Leuchtturm am äußersten Ende des Seyðisfjörður. Zuerst führte der Weg entlang des Südufers auf Asphalt, dann wurde es ein Schotterweg der später zum Ackerweg wechselte und am Ende nicht einmal mehr eine Piste war. Schon Urzeiten muss hier kein Auto mehr gefahren sein! Norbert quälte den Lada dann doch noch etwa eine Stunde mehr oder weniger ziellos durch die Gegend, während sich der Nebel in den Fjord drängte. Zum Leuchturm sind wir nicht mehr gelangt, die Tour war für uns aber das Finale, was für Karl Wiktorin sein Husavík in Klammern war. Es war nicht leicht bei einer solchen Kulisse Abschied zu nehmen, der Blick auf die Wolken die tief unter uns über dem Wasser des Fjordes waberten, über uns blauer, von der untergehenden Sonne verfärbter Himmel mit Bergspitzen, die im Abendlicht angestrahlt waren. Wir wären gerne hier geblieben! 27.07.2000 Abreisetag in Island Die Norröna kam etwa um 8:45 in Sicht und schon herrschte rege Betriebsamkeit auf dem Campingplatz. Auch wir hatten unsere Zelte schneller abgebaut als das es nötig gewesen wäre und so stehen wir nun in der Warteschlange, die sich quer durch den Ort zieht, und warten auf die Einfahrt in das Schiff. Nach Erhalt unserer Boarding-Cards mussten Anna-Alicia, Oliver und ich wieder zufuß an Deck, Norbert kam dann, von uns vom Achterdeck beobachtet, etwa eine dreiviertel Stunde später eingefahren. Der Lada mit Anhänger dran sah richtig lustig aus, so klein und doch hat er uns überall dorthin gebracht, wo wir hin wollten. Nachdem auch Norbert an Bord war haben wir unsere Kabine belegt. Diesesmal war es eine 6-Bett Außenkabine die wir allerdings ganz allein für uns hatten. Welch ein Luxus! Mit der Verspätung von einer halben Stunde legte die Norröna ab, aber nicht bevor sie dreimal das Nebelhorn erschallen ließ. Ich hatte eine Gänsehaut und die Tränen schossen in die Augen, ein wahrer Moment um sentimental zu werden. Wir blieben noch so lange an Deck stehen bis der Leuchtturm von Dalatangi an uns vorbei zog. Vom Wasser aus war kein Weg dorthin ersichtlich, ich denke fast, den Weg, den wir gestern Abend gefahren sind, hätte uns nie und nimmer nach Dalatangi geführt. Nun sind wir wieder auf dem Atlantik, es ist nebelig, die See ist ruhig. Für heute Abend wird kein Sturm erwartet, so beschlossen wir uns zum Abendessen im Restaurant anzumelden. Die Nahrung der letzten Wochen bestand ja fast nur aus "Dosenfutter", hier und da konnte ich mit frischen Zutaten die Gerichte etwas aufpeppen, da war es allerdings zu verstehen, dass die Üppigkeit des Buffets zum kulinarischem Overkill ausartete. Viel zu viel haben wir gegessen, dementsprechend unruhig verlief daher auch die Nacht. Was soll man heute schreiben? Wir hatten einen ruhigen Seetag an dem wir genug Zeit hatten, den Urlaub Revue passieren zu lassen. Einziges Highlight war die Ankunft in Tórshavn. Der Aufenthalt geriet hier aber recht kurz, es wurden nur die Färinger von Bord gelassen und schon ging die Reise weiter. Transit-Tickets hätten sich nicht gelohnt und wurden wohl auch nicht ausgegeben. Essenstechnisch haben wir uns heute zurückgehalten, so verlief auch die Nacht wesentlich entspannter als die Nacht zuvor. Auch dieser Tag war eher unspektakulär. Von Tórshavn aus fährt die Norröna auf dem Rückweg direkt nach Hanstholm, ein Zwischenstopp auf den Shetland-Inseln entfällt, daher war heute nur Wasser um uns. Erst kurz vor 16 Uhr war die dänische Küste in Sichtweite und schon herrschte wieder Unruhe auf der Norröna. Wäre die Norröna ein Segelschiff gewesen, wir hätten wohl rudern müssen. Der Atlantik zeigte sich spiegelglatt und auch die so oft als "Mordsee" verschriehene Nordsee zeigte sich heute total unbewegt. Pünktlich legten wir in Hanstholm an. Nach dem Ausschiffen sind wir noch nach Virksund am Limfjord gefahren. Harry, ein Kollege von Norbert, hatte sich dort mit seinem Wohnwagen niedergelassen und den wollten wir noch besuchen. Des Abends saßen wir so noch in geselliger Runde, Harry hatte noch Urlaub und unserer ging zu Ende. Gesprächsstoff hatten wir aber bis tief in die Nacht, Island war das Thema der Stunden. Unsere letzte Nacht im Urlaub verbrachten wir, wie die erste Nacht auch, auf einem dänischen Campingplatz. Nun ist Kilometerfressen angesagt. Um 8:30 Uhr haben wir den Platz in Virksund geräumt und haben uns auf die letzte Etappe Richtung Heimat gemacht. Um drei Minuten nach 12 haben wir die Grenze zu Deutschland überquert und um 14:50 Uhr haben wir unseren 5000. Reisekilometer vollgemacht. Was man alles innerhalb dieser Wegstrecke erleben kann! Unglaublich, ich bin in Gedanken immer noch unterwegs. Um 17:17 Uhr erreichten wir die Porta Westfalika, das Tor zu Westfalen, unserem Bundesland. In Soest waren wir dann endlich nach langer Fahrt um 18:54 Uhr. Hier geht dann ein Urlaub zu Ende. Der Alltag hat uns wieder, schon morgen früh müssen wir wieder zur Arbeit. |
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